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Pflege im betrieblichen Kontext

Hintergrundinfos zu Beruf und Pflege

Hilfeleistungen beginnen meist schon lange vor der PflegebedĂŒrftigkeit und können vier Stunden tĂ€glich in Anspruch nehmen. Foto: pixabay

Das Wissen ĂŒber BeschĂ€ftigte, die Angehörige pflegen, verdichtet sich in immer schnellerem Tempo. Die wichtigsten Aussagen des Themenreports, den das Zentrum fĂŒr Pflege 2016 herausgegeben hat, haben wir bereits in unserem Journal „Beruf und Pflege – Trends und Empfehlungen“ im letzten Jahr zusammengefasst. In diesem Artikel haben wir weitere aufschlussreiche Studien der letzten beiden Jahre aufbereitet. Die zuletzt erschienenen Studien zeigen, dass die anerkannten Definitionen von Pflege­bedĂŒrftig­keit fĂŒr den betrieblichen Kontext, also fĂŒr die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, viel zu eng gefasst sind. DarĂŒber hinaus bestĂ€tigen sie, dass Zeitnot die grĂ¶ĂŸte Herausforderung bei Beruf und Pflege ist und staatliche Hilfeleistungen so selten in Anspruch genommen werden, weil sie am Bedarf vorbeigehen.

 PflegebedĂŒrftigkeit im betrieblichen Kontext muss neu definiert werden

PflegebedĂŒrftigkeit wird beispielsweise durch die Pflegeversicherungen definiert und in verschiedene Stufen untergliedert. FĂŒr die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege greift diese Definition jedoch zu kurz. Aktuelle Studien weiten die PflegebedĂŒrftigkeit, wie sie im Sinne der Pflegeversicherung definiert ist, auf die Phase der HilfsbedĂŒrftigkeit aus, die in der Regel einer PflegebedĂŒrftigkeit voraus geht. Denn der Großteil der pflegenden ErwerbstĂ€tigen kĂŒmmert sich um Angehörige, die zwar hilfe- aber noch nicht pflegebedĂŒrftig oder nur eingeschrĂ€nkt pflegebedĂŒrftig sind. Je höher der Pflegeaufwand und je höher die Pflegestufe sind, desto seltener sind pflegende Angehörige erwerbstĂ€tig. Wollen Arbeitgeber*innen passgenaue UnterstĂŒtzung leisten, muss diesem Fakt mehr Aufmerksamkeit als bislang gewidmet werden.

Begrifflichkeit erfasst nicht die einer Pflege vorausgehende HilfsbedĂŒrftigkeit

Nach SGB XI, § 14, Abs. 1 sind Personen pflegebedĂŒrftig, „die gesundheitlich bedingte BeeintrĂ€chtigungen der SelbstĂ€ndigkeit oder der FĂ€higkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedĂŒrfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische BeeintrĂ€chtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstĂ€ndig kompensieren oder bewĂ€ltigen können. Die PflegebedĂŒrftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich fĂŒr mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“ [1] Die tatsĂ€chliche Pflege- und HilfebedĂŒrftigkeit kann jedoch nicht mit diesem sozialrechtlich anerkannten Bedarf gleichgesetzt werden. Die Zahl der hilfebedĂŒrftigen Personen, die Pflege und Hilfe benötigen, auch wenn sie nicht die Kriterien des SGB erfĂŒllen, ist deutlich höher als die Zahl der anerkannten PflegebedĂŒrftigen. EinschlĂ€gige Studien gehen von vier bis fĂŒnf Millionen Personen aus.[2] Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes waren im Jahr 2015 insgesamt 2,8 Millionen PflegebedĂŒrftige in Deutschland anerkannt. Das heisst, nur etwa die HĂ€lfte der tatsĂ€chlichen Pflege- oder HilfsfĂ€lle profitiert vom Pflegesystem.

Meist geht der Pflege der Hilfebedarf voraus

Zumeist beginnt eine Pflege schleichend, mit kleineren UnterstĂŒtzungsleistungen beim Einkauf, im Haushalt und Garten, bei notwendigen Reparaturen, bei Arzt- und BehördengĂ€ngen, und entwickelt sich erst allmĂ€hlich zu einer umfassenden Pflege. Geholfen wird meist am Wochenende, am Abend oder unter Nutzung von Gleitzeit, mitunter auch unter Nutzung von Urlaubstagen.[3] Wie die Pflege wird die Hilfe in der Regel innerfamiliĂ€r geleistet. Sie gilt unter dem Gesichtspunkt der intragenerationellen ReziprozitĂ€t als selbstverstĂ€ndlich.[4] Dabei sind diese Hilfestellungen in der Regel Ă€hnlich zwingend erforderlich wie die Pflege. Es entstehen, wie eine Studie aus 2017 ergab, Aufwendungen in nennenswerten Umfang auch bei solchen Personen, die keine Pflegeeinstufung erhalten haben. In mehreren Haushalten, deren Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt wurde, fiel 2017 ein zeitlicher UnterstĂŒtzungsaufwand von gut vier Stunden tĂ€glich an, vor allem im Bereich Hauswirtschaft und Betreuung.[5]

BeschÀftigte vereinbaren vor allem Hilfeleistungen mit ihrer ErwerbstÀtigkeit

All diese Hilfeleistungen werden in der Regel bedarfsorientiert und zusĂ€tzlich zum aktuell bestehenden Erwerbsumfang geleistet, manchmal ĂŒber Jahre. Einer Paneluntersuchung aus dem Jahr 2014 zufolge hĂ€lt es der Großteil der pflegenden Angehörigen fĂŒr wichtig bzw. sehr wichtig, auch mit Übernahme von Hilfe bzw. Pflege erwerbstĂ€tig zu bleiben.[6] Insofern ist es logisch, dass im betrieblichen Kontext die Vereinbarkeit der ErwerbstĂ€tigkeit mit regelmĂ€ĂŸigen Hilfestellungen, leichter bis mittlerer PflegebedĂŒrftigkeit sowie plötzlicher oder kurzfristiger schwerer Erkrankung dominiert. Kaum eine Person, die eine angehörige Person mit Pflegestufe II oder III pflegt, ist in der Lage, ihre ErwerbstĂ€tigkeit uneingeschrĂ€nkt fortzufĂŒhren.

Anteil der VollzeitbeschÀftigung bei Pflegenden steigt

Die VollzeitbeschĂ€ftigung unter Pflegeleistenden ist von knapp 31 Prozent im Jahr 2001 auf fast 38 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Sie liegt aber deutlich hinter dem Anteil der VollzeitbeschĂ€ftigten an der gesamt erwerbsfĂ€higen Bevölkerung in Höhe von 51 Prozent. Besonders groß war der Zuwachs der VollzeitbeschĂ€ftigung bei jenen, die sich um Angehörige kĂŒmmern, die in ihren eigenen Haushalten leben. Bei ihnen ist die VollzeitbeschĂ€ftigung bis 2012 von gut 29 auf ĂŒber 40 Prozent angestiegen.[7]

Trotzdem bleibt Arbeitszeitreduzierung hÀufig gewÀhltes Entlastungsmittel

Hilfe und Pflege mit einer uneingeschrĂ€nkten BerufstĂ€tigkeit in Einklang zu bringen, bleibt unabhĂ€ngig von diesen Zahlen herausfordernd. Zur Vermeidung von Überlastung entscheidet sich ein nach wie vor großer Teil der pflegenden BeschĂ€ftigten fĂŒr eine Reduzierung der Arbeitszeit oder einem vorzeitigen Ausstieg aus der ErwerbstĂ€tigkeit.[8] Von 30.000 pflegenden Personen, die nicht mehr erwerbstĂ€tig sind, haben fast 70 Prozent ihre BerufstĂ€tigkeit fĂŒr die Übernahme der Pflege vorzeitig beendet.[9]

Schwere der Pflege entscheidet ĂŒber Umfang der Arbeitszeitreduzierung

Der Umfang der Arbeitszeitreduzierung hĂ€ngt von der Schwere der PflegebedĂŒrftigkeit ab. Personen, die sich um eine Person in Pflegestufe II oder III kĂŒmmern, sind auffallend hĂ€ufiger teilzeit- oder stundenweise erwerbstĂ€tig als BeschĂ€ftigte, die eine Person in Pflegestufe I oder Null unterstĂŒtzen. Zudem reduzieren Angehörige, die ganz plötzlich mit einer Pflegeaufgabe konfrontiert wurden, die Arbeitszeit hĂ€ufiger als Angehörige, die langsam in die neue Situation hineinwachsen konnten.[10]

Pflegende erwerbstÀtige MÀnner bleiben eher in Vollzeit als ihre Kolleginnen

Bereits 2015 erschien eine Studie, die sich ausschließlich mit erwerbstĂ€tigen pflegenden MĂ€nnern beschĂ€ftigt. ZunĂ€chst einmal fand sie die weit verbreitete Vermutung nicht bestĂ€tigt, wonach MĂ€nner sich nur am Rande und ĂŒberwiegend organisatorisch um die Belange ihrer Angehörigen kĂŒmmern. Von den 37 MĂ€nnern, mit denen die Autor*innen Interviews fĂŒhrten, haben alle in erheblichem Maße Pflegeaufgaben ĂŒbernommen. HĂ€ufig wurden aufeinanderfolgend oder parallel sogar beide Elternteile betreut. Gleichwohl haben fast alle interviewten MĂ€nner kontinuierlich in Vollzeit weitergearbeitet (in 30 von 37 FĂ€llen). Entlastung suchten sie vor allem durch informelle Regelungen oder flexible Arbeitszeitmodelle. Außerdem griff die Mehrheit der erwerbstĂ€tigen mĂ€nnlichen Hauptpflegepersonen unterstĂŒtzend auf (semi)professionelle Dienstleistungen zurĂŒck.[11]

Neun bis zwölf Stunden Hilfeleistung pro Woche bei Vollzeit, 19 bei Teilzeit

Dem DGB-Index Gute Arbeit von 2017 zufolge wenden pflegende Frauen in Vollzeit fĂŒr die Betreuung von Angehörigen im Wochendurchschnitt neun Stunden auf, MĂ€nner 12 Stunden. Bei teilzeitbeschĂ€ftigten Frauen liegt der wöchentliche Zeitinvest bei 19 Stunden. FĂŒr MĂ€nner in Teilzeit ist auf Grund der geringen Fallzahl keine Aussage möglich. Im Durchschnitt wenden pflegende BeschĂ€ftigte 13,3 Stunden pro Woche fĂŒr die Pflege auf.[12]

Jede zweite Hilfe oder Pflege erfolgt ohne informelle oder professionelle UnterstĂŒtzung

HĂ€usliche Hilfe und Pflege erfolgen meist durch eine Hauptpflegeperson, die das Pflegearrangement organisiert und maßgebliche Teile der Versorgung leistet.[13] Je jĂŒnger die Pflegenden sind, desto eher sind auch weitere Personen aus dem sozialen Umfeld an der Hilfe oder Pflege beteiligt. Auch nutzen pflegende Kinder und Schwiegerkinder hĂ€ufiger informelle und professionelle Hilfe als dies pflegende Ehepartner*innen tun. ErwerbstĂ€tige pflegende Angehörige nehmen hĂ€ufiger als nicht erwerbstĂ€tige pflegende Angehörige Pflegedienste und hauswirtschaftliche UnterstĂŒtzung in Anspruch (55 Prozent vs. 37 Prozent). Dennoch verzichtet fast die HĂ€lfte aller befragten pflegenden ErwerbstĂ€tigen gĂ€nzlich auf Pflegedienste und auf andere professionelle UnterstĂŒtzungsangebote. Die Verantwortung, Organisation und Hilfeleistungen liegen zumeist hauptsĂ€chlich bei einer einzigen Person.

Mit der Pflege entstehen meist zusÀtzliche MobilitÀtsanforderungen

Die meisten pflegenden VollzeiterwerbstĂ€tigen (rund 80 Prozent) wohnen außerhalb des Haushalts des oder der PflegebedĂŒrftigen. So kommen zu Arbeitszeit, Arbeitsweg und Pflegezeit zumTeil erhebliche Fahrtwege zum Wohnort der zu pflegenden Person als weitere regelmĂ€ĂŸig zu bewĂ€ltigende Zeitanforderung hinzu.[14]

Knapp ein Drittel der pflegenden BeschÀftigten leidet oft bis sehr oft an Zeitnot

Zeitbedingte Vereinbarkeitsschwierigkeiten kommen einer DGB-Befragung von 2017 zufolge bei insgesamt 29 Prozent der pflegenden BeschĂ€ftigten hĂ€ufig bis oft vor. Bei den in Vollzeit Arbeitenden liegt der Anteil unter den Frauen bei 38 Prozent, unter den MĂ€nnern bei 28 Prozent. Rechnet man die vollzeitbeschĂ€ftigten Frauen hinzu, die „immer wieder“ Zeitprobleme bei der Vereinbarkeit haben, steigt der Prozentsatz auf 78 Prozent. Bei den teilzeitbeschĂ€ftigten Frauen fallen die Werte deutlich besser aus. Von ihnen haben rund 14 Prozent hĂ€ufig Zeitkonflikte zu bewĂ€ltigen.[15] Neben den realen Zeitkonflikten wirkt zudem auch das GefĂŒhl belastend, rund um die Uhr verfĂŒgbar sein zu mĂŒssen. Viele der Pflegenden klagten in den Interviews der Studien ĂŒber Zeitprobleme bei der ErwerbstĂ€tigkeit, Partnerschaft, Betreuung von Kindern und eigener Freizeit. Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass 72 Prozent der im Pflegepanel erfassten Personen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf als eher schlecht bzw. sehr schlecht beschreiben.[16]

Neben der Zeit investieren Pflegende zum Teil auch erhebliche finanzielle Mittel

Pflegende leisten nicht nur einen hohen zeitlichen Einsatz, sondern bringen auch erhebliche finanzielle Mittel auf, um diese hĂ€usliche Versorgung aufrecht zu erhalten. Der DGB-Index kommt auf monatlich rund 360 Euro. Eine weitere Studie errechnete, dass fĂŒr erwerbstĂ€tige Pflegepersonen, die tĂ€glich eine Stunde pflegen und nicht im Haushalt der zu pflegenden Person leben, das Einkommen auf 77 Prozent des Durchschnitteinkommens sinkt.[17]

Signifikanter Zusammenhang zwischen Pflegegrad und sinkender Lebenszufriedenheit

Die Ergebnisse einer PanelschĂ€tzung dokumentierten, dass die Zufriedenheit von Pflegepersonen im Vergleich zu Personen, die keine Pflege leisten, signifikant geringer ausfĂ€llt. Außerdem sinkt die allgemeine Lebenszufriedenheit mit dem Pflegeumfang. Auch die Zufriedenheit mit der sozialen Sicherung ist niedriger.[18]

Hohe gesundheitliche und psychische Belastungsrisiken fĂŒr (erwerbstĂ€tige) Pflegende

Die zeitlichen, finanziellen und mentalen Herausforderungen, die mit der Angehörigenhilfe oder -pflege notgedrungen verbunden sind, steigern das Risiko (erwerbstĂ€tiger) Pflegender, belastungsbedingte Stresssymptome zu entwickeln, die vielfach im psychosomatischen Bereich angesiedelt sind.[19] So leiden Pflegepersonen im Vergleich zu Personen ohne Pflegeverantwortung stĂ€rker unter depressiven Symptomen, Stress und verringertem Selbstvertrauen. ZusĂ€tzlich ist hĂ€ufiger, aber in einem geringeren Ausmaß, auch ihre körperliche Gesundheit beeintrĂ€chtigt.

Noch große ZurĂŒckhaltung bei der Kommunikation einer ĂŒbernommenen Pflege am Arbeitsplatz

Laut ZQP kommunizieren gut 2016 gut 60 Prozent der BeschĂ€ftigten die Pflegeverantwortung nicht, aus Sorge um den Arbeitsplatz.[20] Eine weitere Studie ergab, dass 43 Prozent der darin befragten BeschĂ€ftigten aus Angst vor beruflichen Nachteilen von der Familienpflegezeit absehen und 31 Prozent bereits bei der maximal 10-tĂ€gigen kurzfristigen Arbeitsfreistellung negative Konsequenzen im Arbeitsleben befĂŒrchten.[21]

Verhaltene Nutzung gesetzlicher PflegeunterstĂŒtzung

Die gesetzlichen respektive staatlichen UnterstĂŒtzungsangebote zur Entlastung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege werden nach wie vor unterschiedlich und zum Teil nach wie vor verhalten genutzt. Wichtigste und am hĂ€ufigsten genutzte Entlastungsmaßnahme sind die ambulanten Pflegedienste, die allerdings PflegebedĂŒrftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung voraussetzt. Eine Fallstudie ergab, dass 64 Prozent der 1000 befragten Pflegenden einen Pflegedienst nutzen. Die Tagespflege lag bei einem Nutzungsanteil von 15 Prozent. Die Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege wurde nur bei 16 Prozent bzw. 20 Prozent der FĂ€lle genutzt. Hauswirtschaftliche Hilfeleistungen werden dagegen hĂ€ufiger in Anspruch genommen. So bestellen beispielsweise 35 Prozent „Essen auf RĂ€dern“ zur Entlastung.[22]

Geringe Nutzung gesetzlicher Entlastungsangebote fĂŒr pflegende ErwerbstĂ€tige

Der DGB-Index von 2017 belegt eine nach wie vor geringe Nutzung der gesetzlichen Familienpflegezeit. Nur sechs Prozent von denen, die pflegebedingt ihre Arbeitszeit reduzierten, taten dies im Rahmen der Familienpflegezeit. Und auch das PflegeunterstĂŒtzungsgeld hatte nur ein Prozent von 235 in Voll- bzw. Teilzeit erwerbstĂ€tigen befragten Hauptpflegepersonen in Anspruch genommen.[23] ErklĂ€rt wird die geringe Nutzung der verschiedenen UnterstĂŒtzungsangebote mit fehlenden Informationen, schlechten Erfahrungen, der Ablehnung von Hilfsangeboten durch die zu Pflegenden sowie und in erster Linie mit der grundsĂ€tzlich mangelnden Passgenauigkeit der UnterstĂŒtzungsleistungen. Des Weiteren verweisen Studien darauf, dass pflegende Angehörige ihre Ressourcen und Kompetenzen hĂ€ufig ĂŒberschĂ€tzen und die Inanspruchnahme entsprechender Angebote als nicht notwendig empfinden.[24]

Kaum neue Empfehlungen zur betrieblichen UnterstĂŒtzungsmaßnahmen

Insgesamt wiederholen sich die Empfehlungen, wie Arbeitgeber*innen ihre BeschĂ€ftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Hilfe oder Pflege entlasten können. Neben den Anregungen zur flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsortgestaltung, der themenbezogenen Sensibilisierung und Schulung der FĂŒhrungskrĂ€fte, der Förderung einer Vertrauenskultur, dem Angebot anonymisierter, niederschwelliger Informations- und Beratungsangebote sind es vor allem gesundheitsfördernde und stressentlastende Angebote, die in den letzten beiden Jahren besonders in den Fokus gerĂŒckt sind.[25]

 


 

Literaturverzeichnis

Auth, Diana u.a. (2015): Wenn Mitarbeiter Angehörige pflegen: Betriebliche Wege zum Erfolg. Ergebnisse des Projekts „MĂ€nner zwischen ErwerbstĂ€tigkeit und Pflege“ (MÄNNEP), gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. DĂŒsseldorf: Hans Böckler Stiftung.

Bestmann, Beate u.a. (2014): Pflegen: Belastung und sozialer Zusammenhalt. Eine Befragung zur Situation von pflegenden Angehörigen. https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/699766/Datei/140122/Bestmann-Pflegen-Belastung-und-sozialer-Zusammenhalt-2014.pdf (Letzter Zugriff: 19.3.2018)

compass private pflegeberatung (2016): Belastung pflegender Angehöriger. Ergebnisse der Forsa-Befragung im Auftrag von compass. https://www.compass-pflegeberatung.de/fileadmin/Berichte/Forsa-Depression_20161020.pdf (Letzter Zugriff: 19.3.2018)

DGB (2017) (Hrsg): DGB-Index Gute Arbeit. Der Report 2017. Wie die BeschĂ€ftigten die Arbeitsbedingungen in Deutschland beurteilen. Mit den Themenschwerpunkt: Arbeit, Familie, private Interessen – wodurch die Vereinbarkeit behindert wird und wie sie zu fördern ist. Berlin: Institut DGB-Index Gute Arbeit.

DGB (2018) (Hrsg): BerufstÀtige mit Pflegeverantwortung. Zur Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege. In: DGB-Index Gute Arbeit kompakt. 02/2108. http://www.dgb.de/themen/++co++dde051f8-0a80-11e8-a822-52540088cada. (Letzter Zugriff: 9.4.2018)

Geyer, Johannes; Schulz, Erika (2014) Who cares? Die Bedeutung der informellen Pflege durch ErwerbstĂ€tige in Deutschland. In: DIW Berlin – Deutsches Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung e.V.: DIW Wochenbericht Nr. 14.2014, Berlin.

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Hielscher, Volker u.a. (2017): Pflege in den eigenen vier WĂ€nden: Zeitaufwand und Kosten. DĂŒsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Hobler, Dietmar u.a. (Hrsg.) (2017): Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich. Aktuelle Auswertungen aus dem WSI GenderDatenPortal. In: WSI (Wirtschaft- und Sozialwissenschaftliches Institut): Report Nr.35.

Leiber, Simone; Schultz, Laura (2018): Wenn BeschÀftigte Angehörige pflegen: Anforderungen an die betriebliche Sozialpolitik. In: Soziale Sicherheit 2/2018.

Löhe, Julian (2017): Angehörigenpflege neben dem Beruf. Mixed Methods Studie zu Herausforderungen und betrieblichen LösungsansĂ€tzen. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften.

Schwinger, Antje; Tsiasioti, Chrysanthi; Klauber, JĂŒrgen (2016): UnterstĂŒtzung in der informellen Pflege – eine Befragung pflegender Angehöriger. In: Jacobs, Klaus u.a. (Hrsg.): Pflege-Report 2016 Schwerpunkt: die Pflegenden im Fokus, Stuttgart: Schattauer‚ S. 189-216 .

Suhr, Ralf; Naumann, Dörte (2016): Vereinbarkeit von Beruf und Pflege – Rahmenbedingungen und Bedarfslagen. In: Jacobs, Klaus u.a. (Hrsg.) (2016): Pflege-Report 2016 Schwerpunkt: die Pflegenden im Fokus. Stuttgart: Schattauer‚ S. 217-228.

Wetzstein, Matthias; Rommel, Alexander; Lange, Cornelia (2015): Pflegende Angehörige – Deutschlands grĂ¶ĂŸter Pflegedienst. In: GBE kompakt 3, S. 1-10 .

Zentrum fĂŒr QualitĂ€t in der Pflege (Hrsg.) (2016): ZQP-Themenreport. Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Berlin: Zentrum fĂŒr QualitĂ€t der Pflege.

 

[1] https://www.gesetze-im-internet.de/sgb11/14.html. Letzter Zugriff: 19.3.2018.

[2] Wetzstein (2015), S. 3; Geyer (2014) S. 295.

[3] Siehe hierzu Beitrag in diesem Journal: Querverweis mit Link.

[4](Wetzstein (2015), S. 3 und Schwinger (2016), S. 189.

[5] Hielscher (2017), S. 99f.

[6] ZQP (2016), S. 65 und 73.

[7] Geyer (2014), S. 297ff.

[8] Hielscher (2017), S. 92f.

[9]  Geyer (2014), S. 298f.

[10] Schwinger (2016), S. 193ff und Holber (2017), S. 23.

[11] Auth (2015), S. 11f.

[12]  DGB (2017), S. 13, DGB (2018), S. 1.

[13] Hielscher (2017), S. 10 und im Folgenden S. 99.

[14] Schwinger (2016), S. 196 und ZQP (2016), S. 28f.

[15] DGB (2017), S. 13f, DGB (2018), S. 2.

[16] Wetzstein (2015), S. 3 und ZQP (2016), S. 73.

[17] GrĂ€ĂŸel (2016), S. 225. DGB (2018), S. 3.

[18] Geyer (2014), S. 300.

[19] Wetzstein (2015), S. 2; GrĂ€ĂŸel (2016), S. 177 und Bestmann (2014) S. 15 f. ZQP (2016) S. 61.

[20] ZQP (2016) S. 73.

[21] Suhr (2016), S. 221 und Leiber (2018).

[22] Schwinger (2016), S. 199.

[23] Hielscher (2017), S. 92f, zu Àhnlichen Ergebnissen kommt auch Auth (2015), S. 7.

[24] Löhe (2017), S. 312 sowie Auth (2015), S. 94, 101 und Schwinger (2016), S. 210. Auch Leiber (2018) unterstreichen in der jĂŒngsten Studie zum Thema vor allem die bisherigen Empfehlungen.

[25] Auth (2015), S.12, 21ff., Löhne (2017), 316ff. und Wetzstein (2015), S. 9ff.


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