Print Friendly, PDF & Email

Beruf oder Studium und Pflege an der TU Berlin

Best Practice: Entwicklung im Dialog

Dass sich das Pr├Ąsidium zu Beruf / Studium und Pflege bekennt, schafft Vertrauen. Foto: pixabay.

Was Besch├Ąftigte und Studierende mit pflegebed├╝rftigen Angeh├Ârigen entlastet und wie gut sie diesbez├╝glich bereits aufgestellt ist, wollte die TU Berlin im Zuge des vierten Durchlaufs durch das „audit familiengerechte hochschule“ genauer herausfinden. Vertreter*innen aller Statusgruppen diskutierten, reflektierten, identifizierten St├Ąrken und erarbeiteten Verbesserungsvorschl├Ąge. Die Teilnehmenden sollten ├╝berpr├╝fen, welche hilfreichen Zug├Ąnge die TU Berlin in den drei Themenfeldern „Strategie und Orientierung“, „F├╝hrungshandeln und Ma├čnahmen“ sowie „Vertrauen und Verst├Ąndnis“ verfolgt und wodurch sie die Betroffenen dar├╝ber hinaus unterst├╝tzt.

Vertrauen stiftend: Strategisches Bekenntnis zu Beruf oder Studium und Pflege

W├Ąhrend des gegenseitigen Austauschs fanden die Besch├Ąftigten und Studierenden vieles, was sie in ihren t├Ąglichen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entlastet. Die TU Berlin hat sich Familiengerechtigkeit strategisch auf die Fahnen geschrieben und unterzieht sich regelm├Ą├čig dem audit. Dies allein st├Ąrkt bereits das Vertrauen, seine Belange hochschulintern ansprechen zu k├Ânnen. Und selbst wenn man nicht genau wei├č, wie die TU in solchen Fragen weiterhelfen kann, liegt es nahe, sich auf die Suche nach weiterf├╝hrenden Informationen zu machen. So kann man beispielsweise auf der Webseite der TU nach Pflege suchen, in der Personalabteilung oder bei der Sozialberatung anrufen, die unmittelbare F├╝hrungskraft ansprechen oder das Familienb├╝ro, das erste Anlaufstelle besonders f├╝r Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ist, kontaktieren.

Die interne Institutionalisierung der familiengerechten Hochschule ist ein strategisches Anliegen der TU. Es wirkt als Signal, die Pflege von Angeh├Ârigen TU-intern ├╝berhaupt zum Thema zu machen und aus der Privatheit und Tabuisierung herauszul├Âsen. Die Pr├Ąsidiumsmitglieder weisen dar├╝ber hinaus wiederholt darauf hin, dass man die individuellen Belange pflegender Kolleg*innen ernst nehme. Auch kann man so eher davon ausgehen, Verst├Ąndnis f├╝r die oft herausfordernden Situationen bei den Vorgesetzten zu finden. Ist dieses vorhanden, l├Ąsst auch der Druck nach, m├Âglichst schnell wieder „normal“ funktionieren zu m├╝ssen.

Im Alltag entlastend: Flexibilisierung der Arbeits- und Studiengestaltung

Studierende und Besch├Ąftigte, die pflegen, sch├Ątzen des Weiteren die konkreten Ma├čnahmen, die die TU Berlin zur leichteren Vereinbarkeit von Beruf oder Studium und Familie anbietet. Entlastend f├╝r die Besch├Ąftigten sind die M├Âglichkeiten zur flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsortgestaltung in Form von Gleitzeit, Teilzeit, Telearbeit, Home Office oder Sonderurlaub. Mit der Umwandlung der Jahressonderzahlung in freie Tage l├Ąsst sich zus├Ątzliche Zeit f├╝r die Pflege gewinnen. Allerdings betonten die Teilnehmer*innen des Workshops, dass man diese M├Âglichkeiten nur mit gutem Gewissen nutzen kann, wenn gleichzeitig sichergestellt ist, dass Ausf├Ąlle so kompensiert werden, dass die Kolleg*innen nicht dauerhaft ├╝berbelastet werden. Gute Vertretungsm├Âglichkeiten und Kompensation freigesetzter Stellenanteile bei Teilzeit gelten im Kolleg*innenkreis als unabdingbarer Erfolgsfaktor von Familiengerechtigkeit, unabh├Ąngig ob man sich um Kinder oder pflegebed├╝rftige Angeh├Ârige k├╝mmert.

Studierenden, die ihre Eltern oder Gro├čeltern unterst├╝tzen, greift die TU Berlin mittels Nachteilsausgleich unter die Arme. Dieser ist in der Allgemeinen Studien- und Pr├╝fungsordnung (AllgStuPO) verankert und er├Âffnet ihnen ein Teilzeitstudium oder befreit sie von Anwesenheitspflicht und Regelstudienzeit.

Unverzichtbar: Familienbewusstes F├╝hren

F├╝r beide Gruppen gleicherma├čen entscheidend ist zudem das Verst├Ąndnis ihrer unmittelbaren F├╝hrungskr├Ąfte bzw. der Dozent*innen f├╝r die besonderen Herausforderungen. Vereint man Beruf und Pflege, sind diese vielgestaltig und oft nicht vorausschaubar. Arztbesuche und Beh├Ârdeng├Ąnge fallen in die Arbeitszeit. Eine durchwachte Nacht sitzt in den Knochen. Schwierige Entscheidungen dr├╝cken ebenso wie eine unerwartete Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder finanzielle Sorgen. Mal muss man pflegebedingt sp├Ąter anfangen, mal fr├╝her oder auf jeden Fall p├╝nktlich die Hochschule verlassen. Des Weiteren lobten die Besch├Ąftigten ausdr├╝cklich, dass es tolle F├╝hrungskr├Ąfte und Professor*innen an der TU Berlin gibt, die informiert, aufgekl├Ąrt und kompetent reagieren. Dies zum Regelfall werden zu lassen, wird als lohnenswertes und auch notwendiges Ziel verstanden.

Vision├Ąr: Stabile Vertrauensbasis

F├╝r das neue Handlungsprogramm hat sich die TU Berlin zu einer Reihe von Ma├čnahmen verpflichtet, die die Diskussionsergebnisse aus dem Dialogtag aufgreifen. Zudem wird auch auf weitere F├Ârderung eines pflegebewussten F├╝hrens, auf St├Ąrkung der Vertrauensbasis und Verbesserung des Informationsstandes sowohl zum Thema Pflege als auch zu den konkreten Entlastungsangeboten an der TUB f├╝r Besch├Ąftigte und Studierende mit pflegebed├╝rftigen Angeh├Ârigen abgezielt. Mit Aufnahme der Pflegethematik in allgemeine Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsangebote soll deren Sichtbarkeit im Unialltag weiter erh├Âht werden.

Notwendig: Informationsfluss und Beratung

Geplant sind die Erarbeitung und Ausgabe von Checklisten f├╝r Besch├Ąftigte mit zu pflegenden Angeh├Ârigen sowie f├╝r F├╝hrungskr├Ąfte, des Weiteren die proaktive Kommunikation von Role Models und Best-Practice-Beispielen. Aufgegriffen wurde auch die Anregung, Beratungsangebote zu sch├Ąrfen und die M├Âglichkeit zur Vernetzung pflegender Besch├Ąftigter und Studierender zu unterst├╝tzen. Denn oft hilft es bereits, sich auszutauschen und aus der Isolation zu treten.


Weitere Artikel zu diesem Thema

Vom Schicksal lediger M├╝tter
Aus dem Leben der Astrid Lindgren

Demenzberatung – am besten mit Zertifikat
Audit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege/Demenz
Unser neues Online-Journal ist da

Online-Test zur Familien­freund­lich­keit und betrieb­lichen F├Âr­derung einer partner­schaftlichen Arbeits­teilung. [zum Test]

audit berufundfamilie

Dr. Elisabeth Mantl ist seit 2005 zertifizierte Auditorin f├╝r das audit berufundfamilie, das eine familienbewusste Personalpolitik nachhaltig umzusetzen hilft. Weiterlesen Ôćĺ