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Die Auswirkungen neuer Formen einer ertragsorientierten Leistungspolitik auf die Work-Life-Balance sind grundsätzlicher Natur.

Seit 2008 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Arbeiten - Lernen - Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt“ wissenschaftliche Projekte. Eines dieser Projekte befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Innovationsfähigkeit und Work-Life-Balance. Die Ergebnisse dieser Studien liegt seit Kurzem als Sammelband vor.

Forschungsleitend war die Frage, welche Auswirkungen neue Formen einer ertragsorientierten Leistungspolitik auf die Work-Life-Balance von Beschäftigten haben. Es war das Ziel, zu verstehen, wie sich das Verhältnis von Anforderungen und Ressourcenausstattung auf die Arbeitsbedingungen und damit mittelbar auf die privaten Lebensbereiche auswirkt, und welche Gestaltungsnotwendigkeiten und Perspektiven künftig bestehen. Mit betrieblicher Leistungssteuerung stand die betriebliche Gestaltung des Verhältnisses von Anforderungen und Ressourcen im Fokus. Untersucht wurde diese Fragestellung für die betrieblichen Gestaltungsfelder „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“, "Mobiles Arbeiten", "leistungsorientierte Vergütung" und "Vertriebssteuerung".

Die Studie erbrachte dabei folgende wichtige Befunde:

Mehr als Einzelmerkmale, wie etwas das Geschlecht, bestimmen Arbeitsbedingungen und Leistungsanforderungen die Work-Life-Balance. Dabei stellten die Wissenschaftler*innen einen zunehmenden Mismatch zwischen Anforderungen, Erwartungen und Ressourcen fest, der Beschäftigte wie Führungskräfte gleichermaßen und zunehmend überfordert. Dabei spiele, so eine weitere Erkenntnis der Studie, mehr noch als die Arbeitszeit die dauernd zunehmende Arbeitsintensität die entscheidende Rolle.

Allerdings spiegelt sich dieser Befund nur begrenzt in den betrieblichen Maßnahmen wider. So werden vor allem Maßnahmen umgesetzt, die die Beschäftigten bei ihren individuellen Bemühungen um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Leben unterstützen sollen, ohne jedoch im Kern auf Abbau belastender bzw. überfordernder Arbeitsbedingungen abzuzielen. Ansätze zur Gestaltung des Zusammenhangs von Leistungsanforderungen und Work-Life-Balance gibt es nur wenige.

Des Weiteren hebt die Studie hervor, dass die meisten Maßnahmen zur Unterstützung einer besseren Work-Life-Balance sozial selektiv ansetzen und vor allem auf Gewinnung und Bindung gesuchter Fachkräfte abzielen.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Notwendigkeit leistungspolitischer Ansätze, die auf eine balanceorientierte Arbeitsgestaltung und die Vermeidung latent wachsender quantitativer Überforderung abzielen. Des Weiteren empfiehlt sie, den Beschäftigten möglichst großen Einfluss auf die Gestaltung von Anforderungen und Ressourcen einzuräumen, strukturell individuelle Vereinbarkeitsstrategien zu fördern und tradierte Erwartungen an Leistung und Führungsrollen zu überwinden und zu modernisieren.

Das Projekt wurde im Verbund aus vier wissenschaftlichen Institutionen und einem Kooperationsunternehmen durchgeführt. Vertieft untersucht und mit Teilprojekten begleitet wurden das Kooperationsunternehmen, vier weitere Unternehmen und eine Stadtverwaltung. Transferpartner*innen wie Ver.di, IG Metall oder das deutsche Jugendinstitut wurden eingebunden. Ergänzt wurde das Material durch eine Online-Befragung und Interviews mit betrieblichen Expert*innen.

Das vorliegende Buch sollte zur Standardlektüre aller werden, die sich betrieblicherseits für eine bessere Work-Life-Balance einsetzen. Die Beiträge dringen zu den Kernproblemen vor, vor denen Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftige heute stehen. Die Beiträge sensibilisieren, informieren und bieten Lösungsvorschläge an, nüchtern und forschungsbasiert. Es wäre wünschenswert, wenn, wie von den Herausgeber*innen angemahnt, die Auseinandersetzung mit den hier aufgeworfenen Fragestellungen über das Verbundprojekt hinaus weiter ginge und sich noch mehr betriebliche, politische und wissenschaftliche Akteur*innen einbrächten.

Kratzer, Nick; Menz, Wolfgang & Pangert, Barbara (Hrsg.) (2015): Work-Life-Balance - eine Frage der Leistungspolitik: Analysen und Gestaltungsansätze, Wiesbaden: Springer VS.