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Testlauf Homeoffice

Kann die Coronakrise zum Durchbruch verhelfen?

Damit Homeoffice ein Erfolgsmodell wird, braucht es ein ganzheitliches Vorgehen. Foto: pixabay.com (freephotos).

Allein die Möglichkeit zu eröffnen, von zu Hause aus zu arbeiten, reicht nicht, damit Homeoffice sich als sinnvolle und nachhaltige Alternative zur Präsenzarbeit etablieren kann.

Wovon aber hängt es ab, ob Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert und die produktive Erledigung der anstehenden Arbeitsaufgaben möglich macht?

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) identifiziert mehrere Faktoren:

  • Qualität, Formalisierung und Zugänglichkeit von Homeoffice
  • Verständnis und Unterstützung durch die Führungskraft
  • Kultur des Vertrauens.

Wer die Corona-Krise als Testlauf für Homeoffice nutzt, ist gut beraten, die Erfahrungen mit den nachstehenden Erkenntnissen aus Forschung und Praxis abzugleichen, auszuwerten und entsprechende Handlungspotenziale abzuleiten. Die Ergebnisse von Yvonne Lott decken sich vollumfänglich mit den Erfahrungen, die ich in über 250 audit-Prozessen gesammelt habe.

Klaren Rahmen schaffen

Die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte Homeoffice als entlastend bewerten, steigt signifikant, wenn die Möglichkeit zum Homeoffice formal geregelt ist und mit der flexiblen Arbeitszeitgestaltung einhergeht. Idealerweise bieten Arbeitgeber zudem sowohl die Möglichkeit zur alternierenden Telearbeit als auch zum bedarfsgerechten stundenweisen mobilen Arbeiten an. Ebenso wichtig ist, dass die Prozesse rund um die Beantragung, Bewilligung und Nutzung klar und transparent sind und der bürokratische Aufwand überschaubar. Spielregeln der Zusammenarbeit im flexiblen Umfeld unterstützen ebenso wie der ehrliche Umgang mit Grenzen des Möglichen.

Zeigen, dass Homeoffice betrieblich gewollt ist

Formalisierung und Klarheit befördern das Vertrauen der Beschäftigten, dass Homeoffice betrieblich gewollt ist. Sobald Beschäftigte das Gefühl haben, dass Homeoffice vom  Wohlwollen der Führungskraft abhängt, erleben sie Homeoffice eher als belastend und stressbesetzt. Ist Homeoffice formal geregelt, besteht auch kein Zweifel mehr darüber, dass die im Homeoffice zu leistende Arbeit reguläre Arbeitszeit ist, die erfasst wird und keine Arbeit, die nach Feierabend on top zu Hause anfällt. Ebenso wird dann klar, dass mobiles Arbeiten einer technischen Ausstattung und Unterstützung bedarf, die den Beschäftigten vollumfängliches Arbeiten ermöglicht und ihre selbstverständliche Einbindung in das Tagesgeschäft erlaubt.

Positiv wirkt sich ferner aus, wenn Homeoffice und flexible Arbeitszeitgestaltung auch den Führungskräften zugänglich und möglich ist. Dabei korreliert der Erfolg von Homeoffice zudem signifikant positiv mit Maßnahmen, die eine Karriere aus Teilzeitpositionen unterstützen. Beobachten Beschäftigte, dass auch ihre Führungskräfte Homeoffice und flexible Arbeitszeit nutzen, findet Vorbildlernen statt, das sich positiv auf die Zusammenarbeit im flexiblen Umfeld auswirkt.

Homeoffice steht und fällt mit der Führung und Vertrauen

Entscheidend für den Erfolg von Homeoffice ist auf Seiten der Führungskräfte, wie gut ihnen die Ausbalancierung zwischen Selbstbestimmung der Beschäftigten und Steuerung mit Leitplanken gelingt. Das Verständnis für Vereinbarkeitsbelange durch die Führungskraft gepaart mit einer fairen, ergebnisorientierten Beurteilung entscheidet wesentlich darüber mit, ob Beschäftigte Homeoffice als positiv für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wahrnehmen und bewerten. Ebenso wichtig aber ist es, dass die Führungskraft einen guten Ausgleich zwischen den dienstlichen, den individuellen und den Teaminteressen schafft. Erst dann findet das Instrument auch im Kolleg*innenkreis die notwendige Akzeptanz. Und erst dann werden die, die im Homeoffice arbeiten, als vollwertige Teammitglieder angesehen.

Homeoffice braucht Zeit für Führung

Schon angeklungen ist als weiterer Erfolgsfaktor eine Leistungsbeurteilung, die mehr auf Ergebnis und weniger auf Präsenz basiert und bei der Vertrauen und Kontrolle in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. All dies benötigt viel Kommunikation und Abstimmung sowie Zeit, die Führungskräfte sich nehmen müssen. Insofern bestimmen auch Führungsverständnis und Führungszuschnitt über die Erfolgsaussichten von Homeoffice mit.

Link zum Artikel: Lott, Yvonne (2020): Work-Life Balance im Homeoffice: Was kann der Betrieb tun? Welche betriebliche Bedingungen sind für eine gute Work-Life-Balance im Homeoffice nowendig? WSI-Report, Nr. 54https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_54_2020.pdf.

Informieren Sie sich gern unverbindlich über meine Beratungs- und Telecoachingangebote: 030/ 030-2388 9808. Sie können mich gern auch per Email kontaktieren: kontakt@elisabethmantl.de.


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