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Muster partnerschaftlicher Arbeitsteilung

Aktuelle Trends und Pr├Ąferenzen

Immer mehr Eltern teilen sich Erwerbs- und Familienarbeit. Foto: pixabay.com.

Welche Faktoren ├╝ber die Aufteilung der Erwerb- und Familienarbeit zwischen M├╝ttern und V├Ątern entscheiden, untersuchte bereits 2015 das Institut f├╝r Demoskopie Allensbach. Die Studie ergab eine Reihe f├╝r Arbeitgeber*innen und Hochschulen relevante Befunde.

Partielle Spezialisierung der Elternteile nach der Geburt eines Kindes liegt im Trend der Zeit

Nach wie vor ver├Ąndert die Geburt eines Kindes die Erwerbskonstellationen in Paarbeziehungen in erheblichem Umfang. In vielen Familien reduzieren die M├╝tter ihre Berufst├Ątigkeit oder scheiden ganz aus dem Beruf aus. Der ├╝berwiegende Teil der V├Ąter bleibt Vollzeit erwerbst├Ątig. Die Dominanz der Vollzeit-/Vollzeit-Konstellationen, die 71 Prozent der Elternpaare vor der Familiengr├╝ndung lebten, verliert sich nach der Geburt des ersten Kindes. In lediglich 15 Prozent der F├Ąlle bleiben beide Elternteile Vollzeit erwerbst├Ątig.

An die Stelle der Vollzeit-/Vollzeit-Kombination treten Konstellationen, die Vollzeiterwerb des Vaters mit Teilzeiterwerb der Mutter verbinden. Untenstehende Grafik verdeutlicht die Ver├Ąnderung des partnerschaftlichen Erwerbsverhaltens mit Familiengr├╝ndung. Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von einer partiellen Spezialisierung der Elternteile nach einer Familiengr├╝ndung. Das ├╝berlieferte Modell der Arbeitsteilung zwischen m├Ąnnlichem Ern├Ąhrer und weiblicher Hausfrau hat sich nachhaltig modernisiert, jedoch in seinen Grundfesten noch nicht aufgel├Âst. So bleiben die V├Ąter eher f├╝r die Erwerbst├Ątigkeit, die M├╝tter eher f├╝r Kinderbetreuung und Familienarbeit zust├Ąndig. Je h├Âher der Teilzeitumfang der M├╝tter ausf├Ąllt, umso st├Ąrker erodiert die klassische Arbeitsteilung.

Hinsichtlich des Teilzeitumfangs von M├╝ttern sind keine klaren Trends erkennbar

Modelle und Umfang der Arbeitszeitreduzierung, die M├╝tter nach der Geburt des ersten Kindes w├Ąhlen und in den ersten Lebensjahren der Kinder beibehalten, variieren stark. Dies visualisiert untenstehende Grafik. Mit 25 Prozent am h├Ąufigsten gew├Ąhlt werden Muster, in denen die V├Ąter Vollzeit, die M├╝tter zwischen 15 und 24 Stunden erwerbst├Ątig sind. Die Kombinationen aus Vollzeit/Vollzeit, Vollzeit/vollzeitnahe Teilzeit, Vollzeit/stundenweise Teilzeit und Vollzeit/Ausstieg aus der Erwerbst├Ątigkeit sind etwa gleich stark ausgepr├Ągt. Varianten, in denen V├Ąter in Teilzeit arbeiten, sind deutlich seltener.

Erwerbskonstelationen vor (links) und nach (rechts) der Geburt des ersten Kindes

Abb.: Erwerbskonstellationen vor und nach der Geburt des Kindes in Paarfamilien mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren in Prozent, ifd Sample 2014  (Quelle: Weichenstellungen, S. 6 ff.)

Voller Erwerbsausstieg der M├╝tter zu Gunsten der Familie verliert an Bedeutung

Allerdings unterstreicht die Studie den nachhaltigen Bedeutungsverlust von Konstellationen, in denen M├╝tter zu Gunsten der Familie dauerhaft aus dem Erwerb aussteigen. Zwischen 2005 und 2015 ist der Anteil der M├╝tter in Paarbeziehungen und mit Kindern unter sechs Jahren, die erwerbst├Ątig waren, von 51 auf 59 Prozent angestiegen. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der in Paarhaushalten lebenden M├╝tter, die einer stundenweisen Besch├Ąftigung nachgingen oder ganz aus dem Erwerb ausstiegen.

Die Interviews haben ergeben, dass der Gro├čteil der M├╝tter vor der Familienbildung vorwiegend gute Berufserfahrungen gemacht hat. Auch war eine hohe Berufsorientierung auf Seiten der M├╝tter festzustellen. Grunds├Ątzlich hat die M├Âglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, der wachsenden Erwerbsbeteiligung der M├╝tter zugearbeitet und die Dauer der Elternzeit deutlich verk├╝rzt. Die Erwerbsbeteiligung der V├Ąter in Vollzeit hat sie jedoch unver├Ąndert belassen. Von den V├Ątern arbeiteten sowohl vor als auch nach der Geburt des Kindes rund 90 Prozent in Vollzeit.

Gew├╝nschte und gelebte Arbeitsteilung gehen auseinander

Die Studie best├Ątigt erneut die Diskrepanz zwischen gew├╝nschter und gew├Ąhlter Arbeitsteilung. Fast ein Drittel der interviewten Paare w├╝nschte sich Erwerbsmodelle mit k├╝rzeren Arbeitszeiten f├╝r die V├Ąter. Aber nur jeder zwanzigste Vater hatte seine Arbeitszeit nach der Geburt des Kindes reduziert. Mehr noch als die V├Ąter urteilen die M├╝tter deshalb, dass eine wirkliche Gleichstellung der Frauen noch lange nicht erreicht ist. Trotz der bestehenden W├╝nsche nach einer egalit├Ąreren Aufgabenteilung, ergaben die Interviews aber eine grunds├Ątzlich hohe Zufriedenheit mit den gefundenen Arrangements.

Die famili├Ąr begr├╝ndeten Erwerbskonstellationen bleiben jahrelang bestehen

Die Weichenstellungen zur Erwerbsbeteiligung der Eltern nach der Familiengr├╝ndung erweisen sich f├╝r viele berufs- und lebenspr├Ągend. Die beruflichen Einschr├Ąnkungen der M├╝tter wirken lange nach. Zum einen entscheiden sich die meisten Paare nach der Geburt eines weiteren Kindes wieder f├╝r die bereits gew├Ąhlte Erwerbskonstellation. Zum anderen bleiben deutlich mehr als 50 Prozent der M├╝tter mittel- bis langfristig in Teilzeitverh├Ąltnissen besch├Ąftigt.

Trend zur partiellen Spezialisierung der Elternteile ist multikausal begr├╝ndet

In der Regel liegen den getroffenen Modellen der Arbeitsteilung l├Ąnger laufende Abw├Ągungsprozesse zu Grunde. Meist ist jedoch bereits vor der Geburt die sp├Ątere Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit zwischen den Elternteilen definiert. In den meisten F├Ąllen bleibt die volle Erwerbsbeteiligung der V├Ąter unangefragt. Heute wird vor allem diskutiert, wie lange M├╝tter und V├Ąter in Elternzeit gehen und in welchem Umfang die M├╝tter nach der Geburt wieder in den Erwerb einsteigen. Art und Umfang der partnerschaftlichen Arbeitsteilung ist multikausal begr├╝ndet. Gleichwohl lassen sich einige zentrale Einflussfaktoren identifizieren. Die Erwerbsbeteiligung der M├╝tter nach der Geburt eines Kindes ist umso gr├Â├čer, die Arbeitsteilung umso egalit├Ąrer,

  • Je mehr Eltern den Leitbildern der Erwerbsbeteiligung beider Elternteile und einer egalit├Ąren Aufgabenverteilung zustimmen
  • Je eher sich Eltern auf die institutionalisierte Betreuung ihrer Kinder einlassen k├Ânnen
  • Je st├Ąrker Eltern Partnerschaftlichkeit praktizieren und je eher V├Ąter die berufliche Entwicklung bzw. die Karriereambitionen ihrer Partnerinnen etwa ├╝ber die Betreuung der Kinder und die Beteiligung an der Familienarbeit unterst├╝tzen
  • Je h├Âher der Bildungsabschluss und die Karriereorientierung der M├╝tter sind
  • Je besser die Berufserfahrungen und je h├Âher die Berufsorientierung der M├╝tter sind
  • Je mehr Verantwortung M├╝tter im Beruf hatten
  • Je mehr M├╝tter verdienen und je geringer die Einkommensunterschiede zwischen den Eltern sind
  • Je vertretbarer Einkommensverluste durch die Inanspruchnahme von Elternzeiten durch die V├Ąter f├╝r das Familieneinkommen sind
  • Je sicherer die Arbeitspl├Ątze sind
  • Je geringer die Furcht vor Nachteilen im Beruf bei Inanspruchnahme von Elternzeiten oder Arbeitszeitreduzierungen auf Seiten der V├Ąter ist
  • Je besser die Vertretung der V├Ąter in Phasen der Elternzeit organisiert werden kann
  • Je eher V├Ąter und M├╝tter betrieblicherseits bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterst├╝tzt werden
  • Je besser die M├Âglichkeiten sind, sich die Arbeit relativ flexibel einzuteilen und so im Wechselspiel mit dem anderen Elternteil sowohl den Anforderungen der Arbeit als auch den Bed├╝rfnissen der Familie gerecht zu werden
  • Je bedarfsgerechter die Betreuungsinfrastruktur ist

Allerdings wirken sich all diese Faktoren vor allem auf die Erwerbsbeteiligung von M├╝ttern aus und zwar sowohl auf den Erwerbsumfang als auch auf Dauer ihrer Elternzeit. Die Vollzeitbesch├Ąftigung der V├Ąter variiert ungleich weniger. Dies trifft selbst dann zu, wenn die M├╝tter vor der Geburt das h├Âhere Einkommen erzielt haben. Bei den V├Ątern wirken sich diese Faktoren vor allem dahingehend aus, ob sie Elternzeiten nutzen oder nicht.

Studie wertet 3100 Interviews mit Eltern in Paarbeziehung aus

Die Studie basiert auf einer repr├Ąsentativen Befragung von M├╝ttern und V├Ątern, die als Paare zusammenleben und deren j├╝ngstes Kind j├╝nger als sechs Jahre alt ist. Ausgewertet wurden rund 3100 Interviews mit Eltern aus rund 2000 Familien aus dem Jahr 2014.

Institut f├╝r Demoskopie Allensbach (2015): Weichenstellungen f├╝r die Aufgabenteilung in Familie und Beruf. Untersuchungsbericht zu einer repr├Ąsentativen Befragung von Elternpaaren im Auftrag des Bundesministeriums f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_studies/Weichenstellungen.pdf


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