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Alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung

Checkliste zur Umsetzung

Foto: pixabay.com (OrnaW)

Die Notwendigkeit, Arbeit altersgerecht zu gestalten, steigt angesichts des demografischen Wandels und der VerlĂ€ngerung von Lebensarbeitszeiten. Um qualifiziertes Personal langfristig und leistungsfĂ€hig im Unternehmen zu halten, wird eine alter(n)sgerechte Gestaltung von ErwerbsverlĂ€ufen und Arbeitsbedingungen immer wichtiger. Unternehmen und BeschĂ€ftigte profitieren dabei gleichermaßen von gut gestalteten Arbeitsbedingungen: Arbeitszufriedenheit und Motivation steigen, die Unternehmensbindung wird gestĂ€rkt, Fehlzeiten reduzieren sich.

Es wird unterschieden zwischen einer alternsgerechten Arbeitsgestaltung, die sich auf das gesamte Erwerbsleben aller Altersgruppen bezieht, und deswegen allgemeine Prinzipen gut gestalteter Arbeit in  den Fokus nimmt, und der altersgerechten Arbeitsgestaltung, die auf den Bedarf bestimmter Altersgruppen gerichtet ist und sich somit an der konkreten Arbeitssituation, den FĂ€higkeiten und BedĂŒrfnissen der jeweiligen Altersgruppe orientiert.

In der BroschĂŒre „Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Grundlagen und Handlungsfelder fĂŒr die Praxis“ stellt die Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die grundlegenden Erkenntnisse arbeitswissenschaftlicher Forschung vor, gibt Praxistipps und bietet weitere Links und Literaturhinweise. Wir haben die Empfehlungen fĂŒr Sie in Form einer Checkliste zusammengestellt.

I. Handlungsfeld Arbeitsaufgabe

I.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

  • Handlungsspielraum ermöglichen
  • Abwechslungsreichtum ermöglichen, Monotonie vermeiden
  • Einen angemessenen Grad an AufgabenkomplexitĂ€t ermöglichen, Unterforderung und Überforderung vermeiden
  • Aufgaben lernförderlich gestalten
  • UnterstĂŒtzung in emotional schwierigen Situationen bieten

I.2 ZusĂ€tzliche AnsĂ€tze fĂŒr eine altersgerechte Arbeitsgestaltung

  • Autonomie ermöglichen
  • Anforderungsvielfalt ermöglichen
  • Erfahrungswissen nutzen

II. Handlungsfeld Arbeitsorganisation

II.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

  • Dauerhaft lange Arbeitszeiten vermeiden
  • Pausen gesundheitsförderlich gestalten, ausreichende Erholungszeiten ermöglichen
  • Schichtarbeit gesundheitsvertrĂ€glich gestalten
  • Angebot flexibler Arbeitszeiten, die durch BeschĂ€ftigte bestimmt werden können
  • Lebensphasen berĂŒcksichtigen, Arbeitszeitmodelle anbieten, die die Work-Life-Balance unterstĂŒtzen
  • Hohe ArbeitsintensitĂ€t, Zeit- und Leistungsdruck verringern
  • Störungen und Unterbrechungen reduzieren
  • Belastungswechsel und Entwicklung ermöglichen

II.2 ZusĂ€tzliche AnsĂ€tze fĂŒr eine altersgerechte Arbeitsgestaltung

  • Gelegenheiten zur Regeneration ermöglichen (z.B. zwischen Schichten und bei körperlich anstrengenden TĂ€tigkeiten)
  • Schichtarbeit reduzieren
  • Gleitende Ausstiege aus dem Erwerbsleben ermöglichen

III. Handlungsfeld Soziale Beziehungen

III.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

  • Möglichkeiten der sozialen Interaktion schaffen
  • Soziale UnterstĂŒtzung durch Kollegen fördern
  • Soziale UnterstĂŒtzung durch Vorgesetzte fördern

III.2 ZusĂ€tzliche AnsĂ€tze fĂŒr eine altersgerechte Arbeitsgestaltung

  • Emotional wichtige Kontakte fördern
  • Weitergabe von Wissen und Erfahrung fördern
  • Auf einen respektvollen und wertschĂ€tzenden Umgang achten

IV. Handlungsfeld Arbeitsumgebung

IV.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

  • Visuelle Arbeitsbedingungen  optimieren
  • Auditive Arbeitsbedingungen  optimieren
  • Klimatische Arbeitsbedingungen  optimieren
  • Schwere körperliche Arbeit vermeiden bzw. reduzieren
  • UngĂŒnstige ergonomische Haltungen vermeiden bzw. reduzieren
  • Bewegungsarmut vorbeugen (z. B. bei dauerhaftem Sitzen)
  • Ergonomische Prinzipien bei Arbeitsmitteln berĂŒcksichtigen

IV. 2 ZusĂ€tzliche AnsĂ€tze fĂŒr eine altersgerechte Arbeitsgestaltung

  • BeleuchtungsstĂ€rke und Kontraste erhöhen, Blendung vermeiden
  • HintergrundgerĂ€usche und dauerhaften LĂ€rm reduzieren, Eindeutigkeit von Signalen erhöhen
  • Einsatzzeiten und körperliche Belastung regulieren, persönliche Schutzmaßnahmen ergreifen
  • Hilfsmittel und Assistenzsysteme nutzen, Autonomie und Partizipation erhöhen, TĂ€tigkeitswechsel ermöglichen
  • Zwangshaltungen, ĂŒbermĂ€ĂŸiges Beugen, BĂŒcken und Verdrehen vermeiden
  • Ergonomische Arbeitsmittel, wechselnde Positionen und Bewegung ermöglichen

V. Handlungsfeld Betrieblicher Kontext

V.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

  • Gut funktionierendes, professionelles und integratives System von Arbeitsschutz, betrieblichem Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung und betrieblichem Eingliederungs-management entwickeln
  • In die Zukunft gerichtetes und alle Altersgruppen einschließendes Personalmanagement
  • Alternsgerechte Didaktik und Laufbahngestaltung
  • WertschĂ€tzende und faire Unternehmens- und FĂŒhrungskultur befördern

V.2 ZusĂ€tzliche AnsĂ€tze fĂŒr eine altersgerechte Arbeitsgestaltung

  • Vorbeugung von Dequalifizierungsrisiken

BAUA (Hrsg.) (2017): Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Grundlagen und Handlungsfelder fĂŒr die Praxis. Bönen. https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis/Arbeitsgestaltung.pdf?__blob=publicationFile&v=8


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