Studieren mit Familie

Strategietagung des Studentenwerks

Studierende mit Familie sind eine heterogene Gruppe und benötigen finanzielle und infrastrukturelle Entlastung. Foto: https://pixabay.com/de/users/TheMarketingShoppe-1678169.

Studierende mit Familie sind eine in sich heterogene Gruppe. Gleichwohl gestaltet sich die Studien- und Alltagsbewältigung für viele nach wie vor schwer. Die Strategie-Tagung, die das Deutsche Studentenwerk deshalb organisierte, hat Expert*innen verschiedener Bereiche zusammengebracht. Abgesandte aus Studentenwerken und Ministerien, Expert*innen aus der Wissenschaft und Studierende mit Kind kamen sowohl auf dem Podium also auch im Publikum zusammen, um sich über familienfreundliche Leistungen für Studierende auszutauschen, Erfahrungen zu nutzen, Herausforderungen zu erkennen und partizipative Lösungswege zu entwickeln. Wir haben die Tagung besucht. Die wichtigsten Erkenntnisse haben für Sie hier zusammengefasst:

Anteil der Studierenden mit Kind liegt konstant bei fünf Prozent

Der Anteil der Studierenden mit Kindern ist mit fünf Prozent über die letzten Jahre relativ konstant geblieben. Dies entspricht aktuell 131.000 Studierenden.

Studierende mit Kind sind selten verheiratet und oft deutlich älter als andere Studierende

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind Studierende mit Kind seltener verheiratet und leben in weniger institutionalisierten Beziehungsformen. Im Schnitt haben Studierende 1,6 Kinder. Meist sind diese jünger als drei Jahre. Doch rund ein Drittel beginnt das Studium bereits mit einem Kind. Im Schnitt sind Studierende mit Kindern etwa elf Jahre älter als Studierende ohne Kinder, also meist aus einer anderen Generation. Bei Studentinnen mit Kind ist dieser Altersunterschied noch einmal höher.

Studierende mit Kind bilden jedoch keine homogene Gruppe

Studierende mit Kind bilden in sich selbst jedoch eine sehr heterogene Gruppe, soziale und regionale Herkunft sowie Geschlechterzugehörigkeit wirken Differenz stiftend.

Eine wichtige Rolle spielt der Bildungshintergrund der Eltern

Je bildungsferner das Elternhaus, so die Ergebnisse einschlägiger Studien, desto wahrscheinlicher ist eine Familiengründung im Studium. Ähnliches gilt für Studierende mit Migrationshintergrund. Studierende aus akademischen Milieus hingegen entscheiden sich diesen Studien zufolge eher gegen ein Kind während dieser Bildungsphase, weil sie Bildung an sich eine höhere Priorität einräumen.

Ebenso bedeutsam ist die regionale Herkunft

Studierende aus den neuen Bundesländern wiederum haben unabhängig vom Bildungsstand oder der ethnischen Herkunft der Eltern bereits im Studium Kinder, was Forscher*innen aus der Tradition früher Familiengründung zu DDR-Zeiten ableiten.

Studentinnen leben häufiger mit ihren Kindern zusammen als Studenten

Studenten leben häufiger getrennt von ihren Kindern, Studentinnen haben häufiger den Status alleinerziehend. Allerdings fühlen sich studierende Väter für den Familienunterhalt vorrangig verantwortlich, die Rollenverteilung ist auch bei studentischen Familien traditionell. Gleichzeitig haben Studierende mit Kind häufig weniger Kontakt zu Kommilitonen und sind weniger in die Studierendenschaft integriert. Allerdings berichten sie häufig von einem besseren Verhältnis zu Lehrenden.

Finanzielle Sorgen stehen an erste Stelle

In einer bundesweiten Befragung gaben 48 Prozent der Studierenden mit Kindern an, finanzielle Schwierigkeiten zu haben. Der Großteil der Studierenden mit eigenen Kindern wird nicht mehr durch die Eltern unterstützt und steht unter großem Druck, den Familienunterhalt neben dem Studium abzusichern. Bei 51 Prozent der Studenten mit Kind liegt das Hauptaugenmerk auf der Erwerbstätigkeit. Ähnlich hoch liegt der Anteil der subsistenzsicherenden Erwerbstätigkeit bei den alleinerziehenden Studentinnen. Die aktuellen Unterhalts- und Bafögregelungen werden den Lebenslagen der Mehrheit der Studierenden mit Kind nicht gerecht. Studentinnen mit Kind aus Drittländern haben gar keinen Anspruch auf entlastende Sozialleistungen.

Mehrheit fordert ein elternunabhängiges Bafög nach dänischem Vorbild und mehr Kitaplätze

Im Ergebnis der Tagung, in der viel Kritik an den aktuellen Bafög-Regelungen geübt wird, stand die Forderung nach einem elternunabhängigen Bafög nach dänischem Vorbild. Positiv bewertet wurden die Entlastungsangebote, die die Studentenwerke für Studierende mit Kindern vorhalten, beginnend bei der Sozialberatung über die Vorhaltung von Kitas oder kostenlosem Kinderessen. Allerdings geht der Bedarf an Kitaplätzen noch weit über das Angebot hinaus. Das Gute-KiTa-Gesetz, das in Bälde verabschiedet wird, stimmt positiv, ist gleichwohl in seiner Wirkung abzuwarten.

 

Die Tagung fand am 19. Juni 2018 in Berlin statt. Vom Kompetenzbüro war unsere studentische Hilfskraft Mena Lüsse dabei.

Für weitere Informationen: https://www.studentenwerke.de/de/content/strategietagung-%E2%80%9Efamilienfreundliches


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