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Partnerschaftliche Arbeitsteilung

Das Kind im Mittelpunkt

Eltern wie Kinder schätzen die Vorteile einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung als sehr hoch ein. Foto: Pixabay.com.

Neuen Erhebungen zufolge wünschen sich aktuell bereits 60 Prozent der Eltern kleiner Kinder, Arbeit, Kindererziehung und Haushalt paritätisch untereinander aufzuteilen. In ihrer jüngsten Studie analysiert SowiTra Motive und Umsetzungsvoraussetzung für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung. Erstmals wird darüber hinaus auch die Sicht der Kinder selbst, deren Wünsche, Erfahrungen und Schlussfolgerungen für eine eventuell eigene Familie, einbezogen.

Die Forschungsergebnisse stellen vor allem die große Rolle heraus, die Wertenorientierung und finanzielle Möglichkeiten bei der Zielformulierung einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung spielen. Eine Erwerbsbeteiligung, die der Qualifikation entspricht, gleichberechtigte Beteiligung beider Partner*innen an der Existenzsicherung, Begegnung auf Augenhöhe, Wunsch nach verlässlicher und ausreichender Zeit mit Kindern, bewusstes Erleben und Begleiten ihres Aufwachsens und Älterwerdens sowie Orientierung am Wohlergehen der Kinder, sind die wichtigsten Anliegen, die Eltern mit einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung verwirklichen möchten. Auch ist ihnen wichtig, dass die Kinder eine Beziehung zu beiden Elternteilen aufbauen können.

Eltern, denen dies gelingt, sind durchgängig zufrieden und schätzen die positiven Auswirkungen auf ihre Paarbeziehung und ihr individuelle Gesundheit. Laut SowiTra sind diese Eltern im Durchschnitt zufriedener als Eltern mit ungleicher Erwerbs- und Familienbeteiligung. Die befragten Eltern schätzen den Zugewinn an Flexibilität sowohl für die Alltagsbewältigung als auch für die Abfederung von Notfallsituationen, die die beidseits verkürzten Arbeitszeiten zulassen. Einige Eltern gewährleisten dies über zeitlich versetzte, einige über parallele und wieder andere über flexibel aufeinander abstimmbare Arbeitszeiten. Immer wieder ergeben sich zudem Spielräume für die eine oder andere außertourliche Aktivität. Dabei konzentriert sich der Familienalltag während der Woche in der Regel auf den späten Nachmittag und frühen Abend und kreist um Alltagsdinge, Hausaufgaben und Ausgleich. Die Wochenenden werden vorrangig für gemeinsame Zeit und Unternehmungen mit der Familie genutzt.

Positiv fällt das Fazit der Studie auch in Bezug auf die Kinder aus. So bewerten die befragten Kinder die partnerschaftliche Arbeitsteilung ihrer Eltern als gerecht und positiv. Sie erleben ihre Eltern als zwei gleichberechtigte Bezugspersonen und sehen darin im Vergleich mit anderen Kindern durchaus im Vorteil. Sie nehmen ihre Eltern als insgesamt entspannter wahr und wollen sich später einmal selbst am Modell einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung orientieren. Gemein ist den Kindern, dass sie insbesondere das verlässliche Abholen sowie die gemeinsame Zeit nach der außerhäuslichen Betreuung als weiteren besonders großen Pluspunkt einschätzen.

Noch aber ist das Modell der gelebten partnerschaftlichen Arbeitsteilung aber die Ausnahme. Sie setzt, so macht die Analyse auch deutlich, zum einen ein Einkommen voraus, das eine Arbeitszeitreduzierung überhaupt zulässt und zum anderen Arbeitgeber*innen, die mit ihren Angeboten einer flexiblen Arbeitsgestaltung ausreichend Zeitsouveränität eröffnen.

Die Studie basiert auf qualitativen, leitfadengestützten Interviews mit 56 Eltern und 43 (Schul-)Kindern, die zwischen Juli 2016 und März 2017 geführt wurden. Befragt wurden vor allem Familien, in denen beide Elternteile einer vollzeitnahen, existenzsichernden Erwerbstätigkeit nachgehen und deren individuelle Arbeitszeit nicht mehr als acht Stunden voneinander abweichen. Darüber hinaus sollten die Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren alt sein und mit beiden Eltern in einem Haushalt leben. Rund die Hälfte der Familien verfügt über ein mittleres Einkommen zwischen 3.500 und 4.500 € netto.

 

 

BMFSFJ (Hrsg) (2017): Partnerschaftliche Arbeitszeiten aus Kinder- und Elternsicht. Kurzbericht zum Projekt “ Zeit fĂĽr Familie und Beruf – wie Kinder und Eltern partnerschaftliche Arbeitszeitkonstellationen erleben (2016-2017). Berlin. (Monitor Familienforschung, 37).

Hier geht´s zum Abschlussbericht: http://www.sowitra.de/wp-content/uploads/2017/08/Partner-Arbeitszeiten_aus_Kindersicht_SowiTra_2017.pdf


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