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Empirische Analyse zur Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf bei Frauen

Aktuelles aus der Wissenschaft: umfassende empirische Analyse zur Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf bei Frauen

Gwendolin Josephine Blossfeld ist eine der ersten, die den vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg erhobenen Datensatz „Arbeiten und Lernen im Wandel“, kurz ALWA, zur Grundlage einer empirischen Analyse zur Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf bei Frauen gemacht hat. Die ALWA-Daten enthalten Informationen über mehr als 10.400 Lebensverläufe und erlauben detaillierte Längsschnittanalysen insbesondere zum Schul- und Ausbildungsverhalten, zum Erwerbseinstieg und –verlauf sowie zu Prozessen der Familienbildung und regionalen Mobilität. Blossfeld versteht ihre Publikation als Beitrag zur Arbeitsmarktsoziologie und so umfasst der Hauptteil ihres Buches die Auswertung der vorliegenden Daten mittels ereignisanalytischer Methoden mit dem allgemeinen theoretischen Bezugsrahmen des Lebenslaufs.

Blossfeld ist eine der ersten, die den vom Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg Datensatz erhobenen  Datensatz „Arbeiten und Lernen im Wandel“, kurz ALWA, zur Grundlage einer empirischen Analyse zur Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf bei Frauen gemacht hat. Sie versteht ihre Publikation als Beitrag zur Arbeitsmarktsoziologie und so umfasst der Hauptteil ihres Buches die Auswertung der vorliegenden Daten mittels ereignisanalytischer Methoden mit dem allgemeinen theoretischen  Bezugsrahmen des Lebenslaufs. Dabei wertet sie den zugrundeliegenden Datensatz ALWA im Hinblick auf die Erwerbsmuster im Lebensverlauf von Frauen, die Bildungsbeteiligung von Frauen und das Geburtsverhalten aus. Bevor sie die Veränderungen in der Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf in den letzten Jahrzehnten analysiert, leitet sie mittels einer historischen Rückblende bis zur vorindustriellen Familie ihre zentrale  These her, dass sich seitdem eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung herausgebildet habe. Auch über die historische Epoche der deutschen Teilung hinweg, so stützen es die jüngsten Befunde, ist Kinderbetreuung, Haushaltsführung und die Pflege der älteren Generation noch eine nahezu rein weibliche Angelegenheit geblieben. Gerade für Frauen steht also die Vereinbarkeitsproblematik im Zentrum ihres Lebens.

Allerdings hat die Teilung Deutschlands eine Differenz zwischen den Frauen in beiden Teilen hervorgebracht, die sich auch heute noch statistisch bemerkbar macht. Zwei langfristige Trends kann Blossfeld belegen: Erstens ist es die Angleichung ostdeutscher Frauen an die Bildungs- und Ausbildungsmuster der westdeutschen Frauen und damit die Verschiebung der Geburt des ersten Kindes nach hinten. Insbesondere höher qualifizierte Frauen schieben die Geburt des Kindes wegen der hohen Opportunitätskosten auf oder verzichten ganz auf Kinder. Zweiten ist es die allmähliche Anpassung des Erwerbsverhaltens der westdeutschen an die ostdeutschen Frauen. Noch haben Frauen in Ostdeutschland eine höhere Erwerbsneigung und sind häufiger in Vollzeit erwerbstätig, während westdeutsche Frauen die Vereinbarkeit über eine Teilzeitbeschäftigung erreichen wollen. Überzeugend kann Blossfeld in diesem Zusammenhang nachweisen, dass der gezielte Ausbau des Kinderbetreuungsangebots die Vereinbarkeit effektiv unterstützt.

Blossfelds Arbeit kann auch aus anderen Gründen mit einigem Recht beanspruchen, sozial- und familienpolitisch relevant zu sein. Besonders bedeutsam ist in diesem Zusammenhang ihre Analyse der familiär bedingten Erwerbsunterbrechung, indem sie zeigt, welche Faktoren darauf Einfluss haben. Auch hier sind es die höher qualifizierten Frauen, die eine geringere Unterbrechungsneigung aufweisen, ebenso hat das Bildungsniveau auch einen positiven Einfluss auf das Rückkehrverhalten. Aufschlussreich ist die Erkenntnis, dass ein hohes Bildungsniveau des Partners die Rückkehrgeschwindigkeit verzögert. Über die Männer bzw. Väter gibt Blossfeld übrigens nur am Rande Auskunft, hier erkennt sie kaum Veränderungen im Erwerbsverhalten bzw. in der Beteiligung an der Familienarbeit (in Ost- und Westdeutschland waren und sind sie schon immer konstant auf einem sehr hohen Niveau in Vollzeit tätig).

Blossfeld sieht die Politik gefordert, institutionelle und strukturelle Rahmenbedingungen zu verändern, genauso aber auch die Unternehmen, die sich im Rahmen ihrer Personalpolitik für das Thema der Vereinbarkeit – für Mütter und für Väter – stärker öffnen müssen.

Blossfeld, Gwendolin Josephine: Die Vereinbarkeit von Ausbildung, Familie und Beruf bei Frauen, Opladen & Farmington Hills, MI 2011.


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