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Diversity in der Deutschen Post DHL Group

Im Gespräch mit Jürgen Driftmeier

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Jürgen Driftmeier, Deutsche Post DHL Group, Diversity Deutschland

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Jürgen Driftmeier in der Abteilung Diversity bei der Deutschen Post DHL Group. Dort ist er unter anderem verantwortlich für LGBTI* Themen und die Zusammenarbeit mit der PROUT AT WORK-Stiftung. Gleichzeitig ist er Gründer von RAINBOWNET, dem LGBTI-Netzwerk für Beschäftigte der Deutsche Post DHL Group.

Wie genau ist die Abteilung, für die Sie arbeiten, entstanden? Was hat die Post dazu veranlasst?

Vom Staatsunternehmen Deutsche Bundespost hat sich Deutsche Post DHL Group zu einem globalen, börsennotierten Konzern und Weltmarktführer in der Logistik mit rund 500.000 Beschäftigten in über 220 Ländern und Territorien weltweit entwickelt. Frauen und Männer verschiedener Altersgruppen mit den unterschiedlichsten nationalen, ethnischen und religiösen Hintergründen, Menschen mit Behinderung und unterschiedlicher sexueller Orientierung oder Identität arbeiten bei Deutsche Post DHL Group. Das ist der Grund, warum vor über zehn Jahren eine zentrale Abteilung, die sich mit dem Thema Vielfalt (Diversity) befasst, aufgebaut wurde.

Was haben Arbeitgeber_innen davon, sich mit dem Thema Diversity und innerhalb dessen mit sexueller Orientierung, Transgender etc. zu befassen?

Eine Arbeitsumgebung, in der individuelle Fähigkeiten eingebracht werden können und verschiedene Ideen, Sicht- und Denkweisen der Beschäftigten anerkannt werden, fördert deren Motivation und Bindung. Mit dieser Vielfalt eröffnen sich auch innovative und kreative Lösungen für unterschiedlichste Märkte und Kund_innen, die in unserer globalisierten Welt zum Unternehmenserfolg beitragen können. Kurz gesagt, ein offenes und diskriminierungsfreies Miteinander ist die Basis zum Erfolg.

Das schließt auch homo-, bi-, und intersexuelle sowie transidente Beschäftigte mit ein. Denn wer sich aus Angst vor Diskriminierung im Berufsleben verstecken muss und seine Persönlichkeit verleugnet, ist nicht motiviert und kann nicht seine ganze Leistungsfähigkeit entfalten. Dieses Selbstverständnis hat DPDHL Group vor genau zehn Jahren in dem Verhaltenskodex zum Ausdruck gebracht, der unter anderem ein entsprechendes Kapitel zu Chancengleichheit und Diversity enthält. Zusätzlich hat der Konzernvorstand im Jahr 2013 ein Statement zu Vielfalt und Inklusion verabschiedet.

Mit Blick auf das Thema sexuelle Orientierung und Identifikation habe ich 2008 mit Unterstützung des Personalvorstands RAINBOWNET, das Netzwerk für lesbische, schwule, bi- und intersexuelle sowie transgender Beschäftigte und Unterstützer*innen initiiert. Aktuell hat RAINBOWNET über 250 Mitglieder in Deutschland.

Darüber hinaus gehört der Konzern zu den Mitbegründer*innen der 2013 ins Leben gerufenen PROUT AT WORK Stiftung und ist dort mit einem Sitz im Stiftungsbeirat vertreten. Die Stiftung setzt sich für eine offene und diskriminierungsfreie Arbeitswelt, unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität und geschlechtlichem Ausdruck ein.

Was sind die zentralen Themen, mit denen sich die Beschäftigten an Sie wenden?

In erster Linie geht es um den Erfahrungsaustausch, Ratschläge für Beruf und Alltag und um Hilfestellung beim Coming Out. Hier sind das Netzwerk und der Kontakt der Netzwerkmitglieder untereinander von entscheidender Bedeutung. Die offiziellen Ansprechpersonen des Netzwerks tauschen sich in monatlichen Telefonkonferenzen  aus. Zudem gibt es regelmäßige Treffen mit der zentralen Abteilung Diversity, um Probleme zu erörtern und Ideen, wie z. B. zur Teilnahme an Messen und Kongressen oder an Christopher Street Day Demonstrationsparaden auszutauschen.

Was ist die Aufgabe der Abteilung Corporate Diversity und was ist Ihre Aufgabe im Einzelnen?

Als eine Abteilung im Personalbereich geht es um die Umsetzung eines ganzheitlichen Diversity Managements, das alle Aspekte im Fokus hat, um die Vielfalt unter den Beschäftigten für den Unternehmenserfolg einzusetzen. Schließlich gibt es innerhalb der Abteilung Fachexpert*innen, die schwerpunktmäßig für ein Thema verantwortlich sind. Bei mir ist es der Themenbereich sexuelle Orientierung und Identifikation in Deutschland. Zu den Aktivitäten in diesem Bereich gehören die Betreuung und die Koordination des Netzwerkes RAINBOWNET, die Zusammenarbeit mit der PROUT AT WORK Stiftung und weiteren Organisationen und Beschäftigtennetzwerken.

Aus dem Netzwerk heraus hat sich die Idee entwickelt, unseren Auszubildenden Infoveranstaltungen zur Sensibilisierung auf das Thema LGBTI anzubieten. Die Veranstaltungen werden von Netzwerkmitgliedern seit mehreren Jahren angeboten und zunehmend von unseren ausbildenden Trainer*innen nachgefragt.

In diesen Workshops wird die Bedeutung der Begriffe Transgender, Homo-, Bi-, und Intersexualität vermittelt und es wird gegen Homophobie sensibilisiert. Zusätzlich haben die Auszubildenden die Möglichkeit Fragen zu stellen, die offen und ehrlich, teilweise auf persönlichen Erfahrungen und Situationen beruhend, beantwortet werden.

Insgesamt ist damit das Thema sexuelle Orientierung und Identifikation in Deutschland bei DPDHL Group gut etabliert. Wobei für mich persönlich gerade die Sensibilisierung-Workshops der Schlüssel zum Erfolg sind, denn dadurch legen wir den Grundstein für ein diskriminierungsfreies Miteinander schon bei unseren Auszubildenden.

Vielen Dank für das Gespräch!

*) LGBTI ist die internationale Bezeichnung für „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Intersexual Persons“.


Kontaktdaten:

Jürgen Driftmeier
Deutsche Post DHL Group
Zentrale Gruppe Diversity Deutschland
Telefon +49 (0) 228 182 11803
j.driftmeier2@dpdhl.com

 



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