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Goodbye Gender

Buchtipp

goodbye

„Zuerst war ich ängstlich, mit meinem neu gewählten Pronomen öffentlich zu werden. Von Leuten außerhalb der queeren Szene einzufordern, „x“ als Pronomen für mich zu benutzen, war, als würde ich Leuten erzählen, dass UFOs auf der Erde gelandet sind,“ sagt Rae Spoon. Rae Spoon ist transgender. Ivan E. Coyote lehnt die Zuordnung zu einer Geschlechterkategorie ab. Beide wurden bei Geburt als Mädchen klassifiziert, erlebten sich aber schon als Teenie als im falschen Körper geboren. Zu diesem Zeitpunkt und auch noch lange Jahre danach war es für die beiden schwierig, sich ihrer Emotionen und Geschlechtsidentität klar zu werden oder sie zu (be)sprechen.

Heute machen die beiden Kunst, Musik, Theater, Live-Performance. Ivan schreibt zudem Romane. Mit dem Programm Gender Failure planten die beiden 2012 erstmals eine Show, in der sie Trans-Themen und Realitäten direkt ansprachen. Darin versuchten sie, die eigene Sprachlosigkeit aufzubrechen und die schwierigen Herausforderungen, in einer zweigeschlechtlich orientierten und kategorisierten Gesellschaft anders zu sein, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Goodbye Gender“ ist nun ein weiterer solcher Versuch. Ihre eigenen Erfahrungen beschreibend experimentieren Rea und Ivan zugleich mit einer Sprache, die keine wirklichen Begrifflichkeiten zur Beschreibung ihrer Erfahrungen vorhält. So ist Goodbye Gender eine Mischung aus biografischen Skizzen und Sprach-Experiment. Der Missfit aus überlieferten Geschlechterbildern und Sprachlichkeit einerseits und der Vielfalt und Realität sexueller Identität und Orientierung andererseits wird so unübersehbar. Es wird deutlich, wie beschwerlich und ausgrenzend sich der Weg der Selbstfindung und Selbstdefintion für Menschen mit einer geschlechtlichen Identität jenseits von Mann und Frau gestaltet.

Rea und Ivan erzählen abwechselnd von ihren Erfahrungen. Sie beschreiben prägnante Situationen ihrer eigenen Kindheit, in denen sie sich nicht richtig in ihrem Mädchenkörper fühlten, sie darunter litten, weil sie den Anforderungen ihres Umfeldes nicht entsprechen konnten, auf Ablehnung stießen. Sie erinnern sich, wie sie verschiedene Rollen ausprobierten und sie nehmen die Lesenden mit auf ihre Ausflüge in andere Gruppen, die ihnen halfen herauszufinden, wohin sie gehören. Rea und Ivan sprechen von ihrem Wunsch, von der Familie und dem eigenen Freundeskreis akzeptiert und gemocht zu werden, von den  Schwierigkeiten mit dem Sich-selbst-lieben-lernen, der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und den Irritationen darüber, was richtig und was falsch ist.

Dabei gelingt es Rea und Ivan, die tiefgründigen Fragen, die sie aufwerfen, nicht in Lehren zu verpacken, sondern alltäglich scheinen zu lassen. Goodbye Gender ist ein Buch voll Emotion und Einladung, über ein sonst nur schwer sprechbares Thema zu sprechen. Es eignet sich für alle Themeninteressierten sowie für alle Personalverantwortlichen, die einen Einstieg in das Thema suchen.

Ivan E. Coyote / Rae Spoon: Goodbye Gender, Dt. v. Lemon Thyme. D 2015


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