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F├╝r mehr Frauen in F├╝hrung

Gelingensfaktoren betrieblicher Strategien

Gleichstellungspolitik sollte k├╝nftigt mehr Ma├čnahmen zur Ver├Ąnderung der normativen Konzepte auf der Indiviudalebene einschlie├čen.

Erst wenn sich die kognitiven und normativen Konzepte auch auf der Individualebene ver├Ąndern, wird sich die Geschlechterungleichheit auf F├╝hrungsebene angleichen lassen. Dies ist eine der zentralen Aussagen von Jeanette Trenkmann. F├╝r ihre Dissertation hat sie exemplarisch die Bem├╝hungen ein gro├čes deutsches Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche analyisiert, mehr Frauen in F├╝hrungspositionen zu bringen.

Die Autorin zeichnet an Hand ihrer Einzelfallstudie das strategische Handeln verschiedener Akteur*innen der Gleichstellungsarbeit nach und skizziert den Beitrag, den weibliche Nachwuchsf├╝hrungskr├Ąfte, langj├Ąhrige F├╝hrungskr├Ąfte beiderlei Geschlechts sowie Verantwortliche f├╝r Personalentwicklung und Diversity Management im Zeitraum 2006-2015 zur Realisierung der internen Gleichstellungsziele geleistet haben.

├ťber die Typologisierung wiederkehrender Handlungen und Motivlagen identifiziert und systematisiert sie Erfolgskriterien und Hemmnisse organisationaler Gleichstellungsf├Ârderung. Immer dann, so die Kernerkenntnis, wenn die institutionalisierten normativen Konzepte nicht als Orientierungsrahmen dienen und von den tats├Ąchlichen Handlungen der Akteuer*innen entkoppelt sind, bleiben die Erfolge gering. Trenkmann rekonstruiert die hinderlichen Haltungen und Verhaltensweisen auf der Ebene der F├╝hrungskr├Ąfte und Personalverantwortlichen, die der Durchsetzung der formal verankerten Unternehmensziele in Sachen Frauen in F├╝hrung zuwiderlaufen und die Ver├Ąnderungsresistenz der Organisation mit verursachen.

Die formulierten Unternehmensziele in Sachen Chancengerechtigkeit dienen dann mehr als Legitimationsfassade nach innen und au├čen. Auch helfen sie, die Unterst├╝tzung durch die Anspruchsgruppen sicherzustellen und Teilbedarfe weiblicher F├╝hrungskr├Ąfte abzudecken. Etwa ├╝ber die Erm├Âglichung von Teilzeit f├╝r F├╝hrungskr├Ąfte. Im ung├╝nstigsten Fall tragen formale Gleichstellungs- und Diversit├Ątskonzepte, deren Umsetzung und Adaption auf der Individualebene nicht nachgehalten wird, sogar zur weiteren Verfestigung der Unterrepr├Ąsentanz von Frauen auf F├╝hrungsebene bei.

Als im Gegenzug besonders wirksam stellt die Autorin das Bestreben vor, durch Vorbildcharakter des pers├Ânlichen Verhaltens bewusst auf Gleichstellungspolitik des Unternehmens einzuwirken. Insofern, so folgert die Autorin, gelte es k├╝nftig verst├Ąrkt die Interessen und Motive der Gleichstellungakteur*innen selbst in den Blick zu nehmen und organisationsseitig und top down zu diskutieren.

Trenkmanns Arbeit liefert wichtige Anhaltspunkte f├╝r k├╝nftige gleichstellungspolitische Interventionen. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, unternehmensseitig nachhaltiger als bislang auf Evaluation und Umsetzung vereinbarter Ma├čnahmen auf der Individualebene einzuwirken. Mit der Typologisierung liefert die Arbeit zugleich ein brauchbares Analyseraster f├╝r gleichstellungspolitische Institutionalisierungsprozesse im Organisationsalltag und erlaubt den ├ťbertrag auf andere Organisationen. Dem Buch ist eine breite Leserschaft im Kreis der Personalverantwortlichen und der Gleichstellungs-/Diverstit├Ątsakteur*innen zu w├╝nschen.

 

Trenkmann, Jeannette (2017): Frauen in F├╝hrungspositionen der deutschen Privatwirtschaft. Eine institutionensoziologische Analyse organisationaler Gleichstellungspolitik. Wiesbaden. Springer Gabler Verlag.

 

 


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