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Homeoffice – Chance und Risiko

Neue IAB-Studie

Homeoffice braucht klare Spielregeln der Zusammenarbeit. Foto: pixabay.com.

Etwa 30 Prozent der Betriebe bieten ihren Beschäftigten die Möglichkeit, zumindest gelegentlich von zu Hause aus arbeiten zu können. Oder anders gesprochen: Die Möglichkeit zum standortunabhängigen Arbeiten kommt aktuell gut 30 Prozent aller Angestellten und zwei Prozent aller Arbeiterinnen und Arbeiter zu Gute. Dies etnspricht in etwa einem Fünftel der abhängig Beschäftigten in Mittel- und Großbetrieben.

Dies hat eine aktuelle Betriebsbefragung ergeben, die das IAB im Rahmen des Linked Personnel Panel (LPP) bei privaten Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten durchgeführt hat.

Homeoffice birgt Vorteile sowohl für die Beschäftigten als auch für die Arbeitgeber*innen

Die Arbeitnehmer*innen schätzen am Homeoffice vor allem geringere Fahrzeiten sowie die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben resp. Familie. Zudem heben die befragten Beschäftigten hevor, dass sie zu Hause oft störungsfreier und damit besser arbeiten können. Durch die Einsparung oft langer Wegezeiten, können insbesondere Frauen ihre Wochenarbeitszeit und damit auch ihr Einkommen aufstocken, was sie als klaren Pluspunkt standortunabhängigen Arbeitens sehen. Die Arbeitgeber*innen ihrerseits betonen vor allem die frührere Rückkehr aus der Elternzeit, die Flexiblisierung des Übergangs in den Ruhestand sowie die erkennbar positiven Effekte auf Motivation und Leistungsfähigkeit.

Spielregeln zum Umgang mit Homeoffice sind notwendig

Analysen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung belegen, dass gerade die Arbeit an Wochenenden und Tagesrandzeiten zugenommen hat. Arbeit und Privatleben vermischen sich zusehends. Die ständige Erreichbarkeit wird durch die Entgrenzung von Arbeiten und Leben schnell zum Problem, vor allem dann wenn Beschäftigte kaum noch abschalten können und Erholung kaum noch möglich ist. Hier werden entsprechende gegenwirksame betriebliche Regelungen empfohlen. Sie scheinen zudem sinnvoll zur Aufrechterhaltung sozialer Interaktion bei der Aufgabenerfüllung sowie der Bewältigung informeller Lernanforderungen.

Führungskräfte sind besonders gefragt

Sehr viel Verantwortung sieht die IAB-Studie bei den Führungskräften. Sie müssen darauf achten, dass ihre Mitarbeiter*innen Arbeitszeiten einhalten, genügend Pausen einlegen, in die Arbeitsprozesse eingebunden bleiben und ausreichend Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeitsleistungen erfahren. Erwartungshaltung an die Zusammenarbeit und die Beziehungsgestaltung sind zu klären. Der IAB Studie zufolge ist eine Kultur zu etablieren, die auf einer kontrollierbaren, transparenten und als gerecht wahrgenommenen Balance von Leistung und Gegenleistung aufbaut.

Homoffice vor allem bei höher und hoch Qualifizierten realisiert

Homeoffice ist in der Arbeitswelt noch keineswegs flächendeckend umgesetzt. Am verbreitetsten ist es bei höher und hoch qualifizierten Beamten und Angestellten mit und ohne Führungsaufgaben. Die größte Lücke zwischen möglicher und tatsächlicher Arbeit von zu Hause klafft bei den qualifizierten Angestellten. In dieser Gruppe arbeiteten gerade acht Prozent im Homeoffice, während sich dies 58 Prozent wünschen würden.

 

Zum Artikel: https://www.iab-forum.de/homeoffice-fluch-oder-segen/


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